Spotify in Deutschland angekommen

Spotify? Noch nie gehört? 2006 durch die Schweden Daniel Ek und Martin Lorentzon gegründet. Inzwischen international wohl die weit verbreiteste Musik-Streaming-App. Seit heute Nacht um 0 Uhr gibt es Spotify nun endlich auch ganz offiziell in Deutschland. Spotify konnte sich wohl mit den 4 großen Major-Labels Universal, Sony, Warner und EMI sowie auch mit diversen Independent-Plattenfirmen einigen. Angeblich sind über 16.000.000 Songs verfügbar. Kostenlos!

Die Strategie hinter Spotify

Kostenlos? Richtig gehört, kostenlos! Spotify entwickelte sich aus der Vision eine Platform zu erstellen, die besser ist als die Piraterie.

Der wohl wichtigste Punkt in der Strategie von Spotify: In der kostenlosen Version hat man unbegrenzten Zugriff auf alle 16 Millionen Songs und kann sie oft spielen, wie man will.

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Gründer: Daniel Ek und Martin Lorentzon

Axel Bringéus, der Regionalvorstand von Spotify für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Belgien erläutert in einem Focus Interview:

Dieser kostenlose Teil ist ein entscheidender Aspekt unseres Konzepts. Wenn man einen 16-jährigen Schüler dazu bringen will, dass er Musik legal konsumiert, klappt das nicht, wenn man einfach eine Bezahlschranke aufsetzt. Der Schüler wird nicht eines Morgens aufwachen und sich sagen: ,Ab heute zahle ich für Musik‘, wenn er das vorher nie gemacht hat. Das schafft man nur, wenn man eine Alternative anbietet, die ebenfalls kostenlos ist – und besser als Piraterie.

Der Schüler (und sonst auch jeder) hat dann die Möglichkeit für 4,99 Euro pro Monat eine werbefreie, unbegrenzte Variante, und für 9,99 Euro auch Zugriff über mobile Apps zu erhalten.

Neue Nutzer durch Facebookzwang

Um Spotify nutzen zu können braucht man einen Facebook-Account. In Deutschland haben den über 23 Millionen. Jeder der es nutzt scrobbelt automatisch seine gespielten Songs (in den Standard-Einstellungen) und erscheint somit gut sichtbar für alle Facebook-Freunde im Newsfeed und/oder(?) im Ticker auf der rechten Seite. Dieser virale Effekt wird exponentiell neue Nutzer zu Spotify spülen.
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Musik hören oder besitzen?

Klar ist es unverschämt günstig (oder sogar kostenlos) auf die wirklich umfangreiche Musiksammlung zuzugreifen. Allerdings bekommt man auch keinen physischen Datenträger mit der Musik, ja nicht mal die Bits und Bytes bleiben einem Erhalten, denn die Musik wird “nur” gestreamt, d. h. temporär zwischengespeichert. Doch ist dies wirklich noch notwendig? Musik besitzen? Heute können wir mit all unseren Geräten (fast) überall auf der Welt über das Internet unsere Musik streamen. Die Entwicklung wird es zeigen. Die Software bietet zumindest noch die Möglichkeit auch die lokale Musik abzuspielen.

Kritikpunkte

  • Viele dürfte der verpflichtende Facebook-Account sehr stören
  • Die Soundqualität in der kostenlosen Version scheint schlechter zu sein als als bei vergleichbaren Diensten. Allerdings kann ich dies nicht direkt bestätigen
  • Gerade Leute, die nicht nur Charts hören, dürfte auffallen, dass nicht JEDER Song verfügbar ist
  • Ipad App fehlt (noch?)
  • Streaming geht pro Account nur mit einem Client parallel
  • Spotify startet ohne Gema-Vertrag
  • Abhängigkeit von einem Anbieter
  • Welcher Kritikpunkt fällt dir noch ein?
  • Fotos und Grafiken sind Screenshots und von Spotify selbst.